Web 2.0 – Die Evolution eines Begriffs

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Üblicherweise wurden Bezeichnungen für Epochen im Nachhinein, vornehmenlich, wenn alle Beteiligten von damals schon längst unter der Erde waren, gefunden. Oder vielmehr: sie bildeten sich einfach. Sicher hatte beispielsweise Giorgio Vasari mit seiner abfälligen Bemerkung über alles, was “gotico” (fremdartig, barbarisch) war, nicht beabsichtigt, damit den Namen für eine Stilepoche (Gotik – natürlich) zu prägen.

Im Jahr 2004/2005 war die Menschheit bereits einen erheblichen Schritt auf der Leiter der Selbstreflextion weiter: “Web 2.0” wird als Bezeichnung für eine stilistische und inhaltliche Entwicklung des bedeutendsten Mediums (so wie früher Architektur und Malerei) aufgebracht und findet große Resonanz – und das, obwohl die Entwicklung noch mitten im Gange war. Es bildet sich (historisch gesehen extrem rasant) ein Konsens, welche Prinzipien (althochdeutsch: Stilelemente) den Begriff charakterisieren (siehe die Veröffentlichung von Tim O’Reilly, die als der Grundstein des Begriffs “Web 2.0″ gilt: What is Web 2.0).

Ein überraschend großer Teil der “Community” ist jedoch erbost, dass die von findigen Marketingleuten etwas überstrapazierte Bezeichnung letztlich keinen göttlichen Segen gebracht hat und streiten darauf hin gar ab, dass es folglich das Web 2.0 – nie gegeben hätte. Diese Reaktion ist verstänlich, wenn man die Entwicklung als etwas greif- oder spürbares erwartet hat.

Die Mehrheit der Fachwelt ist sich jedoch einig, dass sich das Web 2.0 durch einige Prinzipien beschreiben lässt und hat zahlreiche Beispiele von Unternehmen gefunden, die in die Web 1.0 und Web 2.0 Kategorie fallen.

1. Prinzipien des Web 2.0

  • Mitmachinternet – Der Nutzer kann selbst etwas von sich im Internet hinterlassen. Der Wert zahlreicher Seiten besteht gerade in diesem “User Generated Content” (Kommentare, Ratings, Meinungen)
  • Dezentralität – der Daten (Online Tagebücher, Fotoalben, Hosting) und der Entwicklung (insbeonsdere Software: Open Source Projekte)
  • Continuous Improvement: durch Open Source getriebene Entwicklung, dass Software keine Entwicklungsstufen in Form größerer Sprünge durchmacht, sondern kontinuierlich durch die Community  verbessert wird
  • Individuelle Intelligenz wird somit von der Gruppenintelligenz abgelöst
  • statisches Informationsangebot – dynamisches Angebot

Firmenbeispiele für Web 1.0 und Web 2.0

    Web 1.0 – Web 2.0

  • Double Click – Google AdSense
  • Britannica Online – Wikipedia
  • Ofoto – Flickr
  • mp3.com – Napster

Weitere Unterschiede

    Web 1.0 – Web 2.0

  • Spekulation mit Domainnamen – Suchmaschinenoptimierung
  • Währung der Online-Werbung: page views – cost per click
  • Verzeichnisstrukturen (“taxonomy”) – Suchwortorganisation (“folksonomy”)
  • stickiness (der Surfer soll durch Content und Gestaltung auf der Seite gehalten werden) – syndication (der Surfer identifiziert sich mit der Community der Seite)

Was ist also Web 2.0 letztlich? Es ist keine Technologie; es ist ein neuer Satz von Spielregeln – Regeln, die die Internet User selbst erfunden haben und die für alle Unternehmen gelten, die sich am Online-Business beteiligen.

Mit derzeit (Februar 2009) 90.500 Suchanfragen bei Google zu dem Begriff “Web 2.0” darf man wohl behaupten, dass er sich durchgesetzt hat, wenngleich eine so hohe Anzahl an Suchen ebenso bedeuten kann, dass viele noch immer auf der Suche nach der Bedeutung des Begriffes sind. Ich hoffe, Sie haben sie nun gefunden.

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One Response to “Web 2.0 – Die Evolution eines Begriffs”

  1. [...] alles soll nun ganz anders sein im sogenannten Web 2.0, lerne ich. Unternehmen stellen sich in nie gekannter Transparenz der Kommunikation. Kunden, [...]

    #9